Samstag, 4. Dezember 2010

ÄTSCH

"Uih, Du bist im Winter in Portland. Das ist doch fast schon Kanada, da wird's bestimmt so richtig kalt werden"
Mindestens zwei Personen unter Euch fallen mir spontan ein, die mir diesen Satz mit auf den Weg gegeben haben. Heute antworte ich darauf: ÄTSCH! Hier sind's 10 Grad und Sonnenschein. Und wie geht es Euch so? ;-)

Bin nach Feierabend ein bisschen durch Portland herumgefahren. Leider hat sich keine Möglichkeit ergeben, die Skyline zu fotografieren. Die beste Aussicht auf Portland hat man von den Highways aus. Deswegen hier mal ein Schnappschuss vom Auto aus fotografiert.

Als es dann dunkel und kalt wurde (natürlich nicht so kalt wie bei Euch in Deutschland... nochmal ÄTSCH), bin ich zu Portlands größem Einkaufzentrum, dem Lloyd Center gefahren. Insgesamt fand ich es recht unspektakulär, bis auf die Eislaufbahn im Untergeschoss. Hab versucht mir eine amerikanische Prepaidkarte fürs Handy zu organisieren, damit ich auch von unterwegs ins Internet komme. Leider mag der amerikanische Netzbetreiber AT&T mein Handy nicht und läßt mich nicht surfen. Schade. Also muss ich wohl oder übel die nächsten 3 Monaten im Büro während der "5min-Pausen" auf Spiegel-Online verzichten. 

Nun lieg ich wieder in meinem King-Size-Bett, habe zum ersten Mal den Fernseher an und bin enttäuscht: 50 Kanäle und nirgendwo läuft etwas, das sich lohnt anzusehen. Genau wie in Deutschland... mit dem Unterschied, dass hier kein Schnee liegt und ich mir nicht die Zehen abfriere (letztes mal ÄTSCH)

Morgen fahr ich vielleicht mal ans Meer. Das sind 70km nach Westen. Habe seit gestern eine Navigations-Software auf dem Handy installiert und seit heute eine entsprechende Halterung für die Lüftungsdüsen. Nun kann ich nicht mehr verloren gehen. Gewöhungsbedürftig ist allerdings die Stimme des Herren, der mich navigiert. Er ist Deutscher. Und er weiß nicht, dass er und ich uns gerade in einem englisch sprechenden Land befinden. Daher versucht er auch erst gar nicht, die Straßennamen korrekt auszusprechen: biegen Sie ab in Fünf-Tee-Ha Ahwehnue, dann rechts in Nocht Linkoln Bulewart.
Hurra, ich bin nicht der am schlechtesten englisch Spechende hier in Pochtländ :-) Ssänk ju, Nawigon!

Bei Euch ist es nun gleich 8 Uhr und die ersten von Euch stehen in ein paar Minuten auf. Ich werde das Gegenteil machen. Gute Nacht!


Wochenend und Sonnenschein

Zweiter Arbeitstag vorbei. Fazit: Ich habe immer noch keinen Account und kann nicht arbeiten. War aber nicht schlimm, dafür weiß ich nun, dass der lokale Admin bis 1989 in Deutschland stationiert war und deutsches Brot liebt. Am Nachmittag war das sog. Quarterly Meeting, welches in etwa die Funktion unserer monatlichen Abteilungssitzungen hat (die Daimler-Leser unter Euch, wissen was ich meine), allerdings eben wie der Name es sagt vierteljährlich stattfinden. Das heutige Quarterly-Meeting war verrückt. Wir haben Lebkuchen-"Häuschen" in Form von Trucks verziert. These Americas are crazy. Hat auf jedenfall sauviel Spaß gemacht und falls ich mal groß und Chef werde, dann gibt's das auch für meine Mitarbeiter.




Draußen scheint die Sonne und ich werde nun Feierabend machen.
Bye bye.

Freitag, 3. Dezember 2010

Tag 2

So, dank Jetlag fällt mir das frühe aufstehen richtig leicht. Ich könnte sogar vor der Arbeit noch frühstücken gehen. Allerdings denke ich, spare ich mir diese Erfahrung noch ein paar Tage auf. Gestern mittag hab ich ein Fleischklops-Sandwich mit Salat gegessen. Das laß sich auf der Karte irgendwie "leicht" und eher so als Häppchen für zwischendurch geeignet. Naja, was dann kam, war ein Pizzateller mit einem Feldsalat-Berg und Sahnesoße und eine 300g Frikadelle zwischen 2 Steifen gebackenem Speck und Weißbrotscheiben.

Abends hab ich den gleichen Fehler mit einem Burrito gemacht. Verglichen mit Burritos in Deutschlad wog das gestrige Exemplar mindestens das doppelte.

Der gestrige Abend war aber nicht nur wegen des Burritos beeindruckend: Ich habe meine zukünftige Wohnung besucht und freue mich total auf den 22. Dezember. Das ganze Haus ist modern, zentral gelegen, in einem Stadtteil, in dem überall im Erdgeschoss Geschäfte sind.
(Für die Stuttgarter unter Euch: mich hat es an den Bereich oberhalb des Kubus bis rüber zu Feinkost Böhm und Deutsche Bank erinnert.

Von meinem Loft ging es dann in die Portlander Innenstadt. Wobei Portland gar keine Innenstadt im europäischen Sinn besitzt. Irgendwo ist halt zwischen den Hochhäusern ein 200x200m Kästchen frei gelassen, das als zentraler Platz dient. Zur Zeit ist dort Bierfest. Weil man das große Bierzelt aber nur betreten dürfte, wenn man sich zuvor für 25$ Marken gekauft hat und ich gerade in diesem Moment meinen Jetlag zu spüren bekam, ist mir dieses Erlebnis leider erspart geblieben.

Auf dem Heimweg bin ich dann noch schnell in einen Supermark und hab mir Shampoo gekauft. Die Sache mit dem getrennten Conditioner wurd' mir doch zu heiß;-) Jetzt hab ich wieder alles in einer Flasche.
Ach, und a propos Flasche:
Cola und ebenso gesunde Getränke gibt's hier nur in 0,5-Liter-Flaschen oder gleich in gefühlten 4-Liter-Kanistern.

So, und nun werde ich die Rush-Hour auf der Interstate 5 testen, vor der mich gestern sämtliche Kollegen gewarnt haben. Freu mich schon aufs Wochenende. Dann gibt es an dieser Stelle auch hoffentlich die ersten Fotos aus Portland.

Feierabend

So, der erste Arbeitstag ist rum. Habe nette Kollegen kennengelernt und bin von meinem Chef durch die Freightliner-Hallen geführt worden. Amerikanische Trucks sind irgendwie viel cooler als europäische. Lustigerweise erkennt man immer mal wieder Teile im Interieur, die man schon mal in einem Mercedes gesehen hat (Lenkrad, Lüftungsdüsen, Griffe und Knöpfe).
Die vergangen 2 Stunden habe ich mich damit befasst, mich ins Freighliner-Netzwerk einzuloggen. Obwohl die zu Daimler gehören, brauche ich wohl einen extra Account.
Mache jetzt Feierabend und treffe mich gleich noch mit meinem deutschen Kollegen, dessen Apartement ich am 22. Dezember übernehmen werde. Bin schon neugierig auf meine spätere Unterkunft.

Donnerstag, 2. Dezember 2010

Tag 1

Habe geschlafen wie ein Stein. Ortszeit ist gerade um 8 Uhr rum und ich werde mich gleich aufmachen zu meiner neuen Arbeitsstelle. Mit meinem neuen Chef habe ich gestern schon gesprochen und er meinte, ich solle erst mal ausschlafen. Hab mich dran gehalten.
Nun werde ich frisch geduscht meinen ersten Tag in Amerika in angriff nehmen.
A propos Duschen. Das wahr schon die erste Herausforderung. Die Dusche hatte nur einen einzigen Drehregler. Ich hab vorsichtig dran gedreht und es kam nur kaltes Wasser raus. Wo also stellt man die Temperatur ein?! Hab den Drehregler genauer inspiziert, ob man ihn vielleicht rein und rausziehen kann, hab aber nichts gefunden und war schon kurz davor, die Rezeption anzurufen. Dann hab ich spaßeshalber mal den Drehknopf voll aufgedreht und siehe da: heißes Wasser! Genauere Funktionsuntersuchung hat ergeben:
man dreht mit einer halben Umdrehung erst einmal kaltes Wasser bis auf maximalen Wasserstrom auf, beim Weiterdrehen wird's dann warm.
Möchte der Amerikaner warm duschen, braucht er also auch gleichzeitig maximalen Durchfluss.
(naja, vielleicht ist es auch nur eine Eigenheit meiner Hoteldusche und nicht allgemein auf das Land zu übertragen)
Als ich dann endlich unter der Dusche stand, stellte sich mir sogleich die nächste Frage:
Wozu braucht man Conditioner? Und benutzt man den vorm Shampoo oder danach? (Wer die Antwort kennt, darf sie gerne hier als Kommentar anfügen)
Ich hatte mal ein Shampoo (Wash&Go), das hatte beides in einer Flasche. Und so hab ich's dann heute auch gemacht: Shampoo und Conditioner gleichzeitig benutzt. Tat nicht weh und die Haare sind sauber.
Ach und so sieht übrigens mein Zimmer aus:


Und das mein Ausblick für die nächsten 3 Wochen :

So, nun geht's zur Arbeit :-)

28 Stunden später

Meine Uhr am Handgelenk zeigt 5:50. Ich habe sie noch nicht umgestellt. Für die Menschen um mich herum ist es gerade 20:50. Ich bin müde. Vor 28 Stunden bin ich aufgestanden und habe zwischendurch zusammengerechnet 1h schlafen können. 40min davon am Stück auf dem Flug von Seattle nach Portland, den ich nahezu komplett verpennt hab.
Mein Flugzeug von Seattle nach Portland
Auf dem langen Flug von Amsterdam nach Seattle hab ich einfach keine vernünftige Liegeposition gefunden. Mehr als vor-sich-hin-dösen, unterstützt von langweilen Bord-Kino-Filmen, war einfach nicht drin. Dafür war der Flug aus anderer Hinsicht spannend: ich konnte 10h lang 12-Uhr-Mittags erleben, und das auf unterschiedlichen Breitengraden. Bei normalen Mittags-Lichtverhältnissen in Amsterdam gestartet und bei eben diesem Licht auch wieder in Seattle gelandet, konnte ich während des Fluges Mittag über Island und Grönland erleben. Über Island ist der Himmel zu dieser Jahreszeit um 12 Uhr orange, über Grönland schon dunkelblau.
Anstrengend war dannach 5-stündige Aufenenhalt am Flughafen Seattle. Der Flughafen ist zwar groß, allerdings nicht groß genug, um 5 Stunden zu überbrücken...
Überrascht gewesen bin ich von den Sicherheitskontrollen, die sich relativ in Grenzen hielten und aud dem üblichen Niveau lagen.

Jetzt ist alles überstanden und ich liege in meinem King-Size-Bed und freue mich auf den ersten Arbeitstag morgen. Ein bisschen von der Stadt habe ich heute schon sehen können, weil ich mich, nachdem ich meinen Mietwagen am Flughafen in Empfang genommen habe, ziemlich verfahren habe und auf einmal mitten in Portland war. Das sah schon mal recht vielversprechend aus... Aber davon dann in den nächsten Tagen mehr.

Mir fallen gleich die Augen zu und ich sollte mir für morgen noch dringend eine Navi-App runterladen. (Avis möchte doch pro Monat sage und schreibe 99 Dollar haben... für ein Navi, das 150 Dollar wert ist)

Bis die Tage!

Mittwoch, 1. Dezember 2010

Motivation

8543 Kilometer. Das ist der Titel meines ersten (und wahrscheinlich einzigen) Blogs und gleichzeitig ist es die Entfernung zwischen Sindelfingen und meiner derzeitigen Lebensabschnitts-Heimat Portland.
Obwohl... "derzeitig" stimmt nicht so ganz, denn augenblicklich befinde ich mich noch irgendwo in der Erdatmosphäre zwischen Amsterdam und Seattle... so bei Kilometer 4123 - schätzungsweise. Genau weiß ich es nicht, weil ich gerade schlafe.
Man kann nämlich schlafen und gleichzeigit bloggen. Jawohl, das geht!
Stefan Raab sitzt auch jeden Tag im Helikopter und ist schon auf dem Heimweg, wenn TVtotal auf Prosieben zu sehen ist.

Die modernen Möglichkeiten, mit denen man heutzutage seine Mitmenschen über allerlei persönliche "wichtige" Dinge auf dem Laufenden halten kann, sind mir selbst ein wenig fremd und eigentlich wollte ich bislang auch, dass sie mir fremd bleiben. Daher selbst gespannt, wie sich dieser Blog entwickeln wird.
Bis vor kurzem wusste ich noch nicht einmal wie man sich seinen eigenen Blog einrichtet bzw. was genau ein Blog ist. Ein Blick in die große Enzyklopädie hat geholfen:

Ein Blog [blɔg] oder auch Web-Log [ˈwɛb.lɔg], engl. [ˈwɛblɒg], Wortkreuzung aus engl. World Wide Web und Log für Logbuch, ist ein auf einer Website geführtes und damit – meist öffentlich – einsehbares Tagebuch oder Journal, in dem mindestens eine Person, der Web-Logger, kurz Blogger, Aufzeichnungen führt, Sachverhalte protokolliert oder Gedanken niederschreibt.

Aha, also schreibe ich nun Tagebuch. Aber eigentlich schreibe ich doch gerade meine Dissertation. Jetzt auch noch Tagebuch?! Vielleicht können wir uns drauf einigen, dass ich Wochenbuch schreibe, damit noch Zeit für andere Dinge übrig bleibt. Ich denke, ich werde diesen Blog nutzen, um immer mal wieder zwischendurch ein wenig über das Leben und die Menschen in Portland und Umgebung zu berichten.

Nun reise ich aber erst einmal weiter auf den Spuren von Christoph Columbus und melde mich an dieser Stelle wieder, sobald ich das Internet in Amerika entdeckt habe.