Montag, 17. Januar 2011

Amerikanischer Abend

Nachdem ich das vergangene Wochenende damit verbracht habe, Fotos von unserer Reise zu bearbeiten und zu sortieren (mittlerweile bin ich bei der Hälfte aller Bilder angelangt), war ich gestern Abend bei meinem Teamleiter zu einem "Amerikanischen Abend" eingeladen. Er und noch ein Kollege wollten mir ein typisches amerikanisches Dinner servieren und anschließend einen typischen amerikanischen Film zeigen.
Es gab Lachs, Steak, gebackene Kartoffel und diverse Beilagen wie gemischten Salat mit Weintrauben, Knoblauchbrot und Maiskolben. Zum Nachtisch gab es eine Art Schaum-Creme mit schwarzen Keks-Krümeln. Alles hat phantastisch geschmeckt. Insgesamt muss ich sagen, dass sich meine Ernährungssituation deutlich gebessert hat. Nicht zuletzt, dank meines Cousins, der seine Kontakte genutzt hat und mir einen tollen Supermarkt-Tipp gegeben hat, wo ich frische Zutaten besorgen kann. Danke! :-)
Aber nun zurück zum gestrigen Abend. Nachdem wir gegessen hatten, sind wir in den Kinoraum meines Gestgebers gegangen. Ja, richtig gehört: Kinoraum. Im Keller seines Hauses hat mein Teamleiter ein ca. 30m² großes Zimmer als Kino umfunktioniert. Als Bildfläche nutzt er einen 80 Zoll (ca. 1,70 m) Fernseher (Rückprojektionstechnik in HD-Auflösung). Nicht, dass sein Wohnzimmerfernseher mit 55 Zoll zu klein gewesen wäre, aber echtes Kinoerlebnis kommt seiner Meinung nach erst ab 70 Zoll auf.
Als "typisch amerikanischen Film" hatte er "Natural Born Killers" auserkohren. Für diejenigen, denen es nichts sagt: es handelt sich um einen sehr skurilen und schrillen Film, der mit diversen Genres spielt (abwechselnd S/W-Film, Dokumentation, TV-Shows, Horror-, Liebesfilm und Roadmovie) und von einem Serienkiller-Paar handelt.
Alles in allem war der Abend super und ich möchte einen neuen Fernseher haben;-)
Außerdem erweitert sich das Lastenheft für eine zukünftige Wohnung im Raum Stuttgart von 3,5 Zimmern mit 90 m² auf 4,5 Zimmer mit 120 m²...

Freitag, 14. Januar 2011

The American Way of Drive

Bevor die jeweiligen Etappenberichte unseres Road-Trips folgen, hier noch ein paar Sätze zum Autofahren in den USA allgemein:

Grundsätzlich lässt sich nach nun 6 Wochen die Theorie aufstellen, dass das Talent, Auto zu fahren, beim Durchschnitts-Amerikaner eher gering ausgeprägt ist. Viele Indizien festigen dieses Vorurteil.

Als ich vor einigen Wochen durch die Berge Oregons gecruist bin, standen plötzlich auf einer Länge von einer Meile immer wieder Tafeln am Straßenrand, die vor Serpentienen gewarnt haben. Erlaubt waren zu diesem Zeitpunkt 65mph (~100km/h) und ich hab eigentlich damit gerechnet, das man das Tempolimit nun allmählich auf Schrittgeschwindigkeit reduziert. Aber nichts geschah. Stattdessen wurden die Serpentin-Warnschilder bloß immer großer. Was dann kam war ein Witz. Die Kurven waren so ausgelegt, dass man sie locker weiterhin mit 65mph fahren konnte. Wahrscheinlich dienten die Schilder bloß dazu, den Fahrer darüber zu informieren, dass er nun ein bisschen Cola aus dem Becher abtrinken muss, damit nichts überschwappt. Querbeschleunigung ist böse! Das bekomme ich auch jedesmal zu spüren, wenn vor mir jemand rechts abbiegt. Dann wird zuvor soweit heruntergebremst, als wäre die Straße schneebedeckt und als ob die Gefahr bestünde ungewollt aus der Kurve zu rutschen.

Die Landstraßen an sich sind schön: breit, nette Aussicht, manchmal sogar hügelig und kurvig. Mit dem richtigen Auto könnte das Spaß machen. Neulich bin ich solch eine Straße gefahren. Alles frei, kein Mensch weit und breit, Kurve links, Kurve rechts, Biegung links, dann eine Gerade... man kann 2 Meilen geradeaus blicken, immer noch keine Menschenseele in Sicht, im Radio singt Freddie Mercury Don't stop me now!, aber: Tempolimit 55mph! Manno. Daher schnell den Sender gewechselt, bevor der Fuß aus Versehen zu schwer wird. Nun singt Katie Melua darüber, dass 9 Millionen Chinesen in Peking lieber radfahren. Puuh, Situation entschärft.
Überhaupt, Katie Melua passt hervorragend zum amerikanischen Fahrstil: seicht, einschläfernd und nebenbei-kompatibel. Ich habe sowieso den Eindruck gewonnen, dass viele Amerikaner nebenbei Autofahren und parallel einer anderen wichtigeren Hauptaufgabe nachgehen. Anders kann ich mir die zwei Unfälle nicht erklären, die ich in meiner Zeit hier in Portland schon gesehen hab. Beim ersten fuhren zwei Autos in Schrittgeschwindigkeit auf einem Parkplatz ineinander. Einfach so, ohne Nebelwand, Glatteis oder plotzlich einsetzender Sonnenfinsternis. Der zweite Unfall passierte auf dem Highway bei zähfließendem Verkehr mit ca. 30 km/h. Zwei Autos wollten gegeseitig die Fahrspur wechseln. Der rechte nach links, und der linke nach rechts. Na, und was ist wohl passiert? Sie haben sich gerammt. Einfach so. Ich dachte echt, ich seh nicht recht...

Und neulich auf dem Weg zum Pazifik habe ich das hier gesehen:


Ein Caravan mit Kleinwagen im Schlepptau. Sogar die Beleuchtung des Kleinwagens funktionierte wie bei einem herkömmlichen Anhänger.
Des Weitern konnte ich schon mehrfach beobachten, dass herrenlose Autos auf Parkplätzen mit laufendem Motor herumstehen. Die Winter in Portland sind kalt und es ist bestimmt toll, wenn man sich nach einem mehrstündigen Einkaufsbummel in sein mollig warmes SUV kuscheln kann... 
Volltanken kostet ja auch bei einem solchen Auto bloß 50 Euro. Ich zahl bei meinem Nissan Versa 30 Euro.

Auch sonst ist das Autofahren hier sehr... anders. Und mein Fahrstil passt nicht ganz hier her. Die Menschen sind gewohnt, dass auf Parkplätzen nicht schneller als Rentnerschrittgeschwindigkeit gefahren wird und springen entsetzt zur Seite, wenn ich mit meinem Nissan Versa in in halsbrecherischen 15 km/h angerast komme.


Und auch nach Wochen in den USA zucke ich erschrocken zusemmen, wenn ich selbst oder jemand anderes in meiner Nähe ein Auto über die Funkfernbedienung verriegeln. WHUAP macht's in Amerika ständig und überall. WHUAP, das ist das Quittierungsgeräusch der Zentralverriegelung, mit dem der Fahrerer akustisch über ein kurzes Hupen darüber informiert wird, dass sein Auto abgeschlossen ist. Wieso eigentlich bleiben wir in Europa glücklicherweise von WHUAP verschont? Haben wir bessere Augen oder wieso genügt uns ein kurzes Blinken? Ich habe noch keine Erklärung gefunden.

Auf Highways darf man hier maximal 75mph fahren. Das entspricht ca. 120 km/h, meistens sind aber nur 65mph erlaubt. Allerdings sollte man die amerikanischen Autos auch definitiv nicht schneller als 75mph bewegen, weil das Fahrverhalten oberhalb von 70mph derart schwammig wird, dass man hat ständig das Gefühl hat, irgendwelchen Windböen ausgesetzt zu sein und korrigiert permanent die Richtigung nach. Ich freue mich schon sehr auf deutsche Autobahnen und deutsche Autos. Nichtsdestoweniger bin ich total glücklich darüber, dass ich überhaupt ein Auto zur Verfügung gestellt bekommen habe (1000 Dank an die Verantwortlichen in der Heimat) und weiß es zu schätzen, dass ich so die beste Möglichkeit bekommen habe, dieses große Land zu erkunden. Denn es ist schon ein Unterschied, ob man nun von Punkt A nach B fliegt oder die Strecke dazwischen mit dem Auto zurücklegt und sich außerhalb der Metropolen bewegt. 
Mein Navi habe ich mittlerweile auch richtig lieb gewonnen. Habe auf die Frauenstimme gewechselt. Im Gegensatz zum Mann, gibt sie sich nämlich Mühe, die Straßennamen englisch auszusprechen... klappt bloß nicht immer:
Biegen Sie rechts ab in Richtung Pohdlähnd auf Ssaut-Iihst Waschinktn Skwer Äwenuh
Auf diese Weise macht das Autofahren wenigstens ein bisschen Spaß.

WHUAP! WHUAP!

Montag, 10. Januar 2011

Zurück in Portland

Nachdem wir am vergangenen Freitag innerhalb von 15h laut Goolge-Maps ziemlich genau 1200 km gefahren sind, befinde ich mich nun wieder in Portland - die beste Reisebegleiterin und tollste Freundin der Welt ist bereits seit heute morgen auf dem Heimweg ins ferne Deutschland.
Insgesamt war unsere 14-tägige Reise das Aufregendste, was ich bisher in meinem Leben erlebt habe, und es wird mir schwer fallen, all die Eindrücke in Worte zu fassen. Ich habe mich entschieden, in den kommenden Tagen jeweils zu den einzelnen Etappen und Zwischenzielen seperate Artikel und Fotos zu veröffentlichen, weil es den Rahmen sprengen würde, die Reise jetzt innerhalb eines Artikels zusammenzufassen.

Viele Grüße
Sebastian

Samstag, 1. Januar 2011

Frohes neues Jahr

So, Ihr hab nun schon 2011. Ich darf noch 9h warten und bin grad auf dem Weg zum Abendessen. Bin schon sehr gespannt auf mein erstes amerikanisches Feuerwerk und werde morgen darüber berichten.

Eine gute Neujahrsnacht wünscht
Sebastian

Freitag, 31. Dezember 2010

Guten Rutsch!


Nach spannenden Weihnachtstagen, an denen ich durch Amerika reisen konnte, wünsche ich Euch nun einen Guten Rutsch ins neue Jahr. Ich weiß grad nicht wie das Wetter bei Euch ist, aber bitte nehmt das Schild nicht allzu wörtlich.
Freue mich drauf, Euch im nächsten Jahr gesund und munter wieder zu sehen.
Ich meld' mich dann gegen Mitternacht nochmal, um Neujahrsgrüße neun Stunden in die Zukunft zu übermitteln.

Alles Gute,
Sebastian

Samstag, 25. Dezember 2010

And the Winner is...

Am 8. Dezember habe ich begonnen, Weihnachtslieder zu zählen, die mir hier in der Adventszeit im Alltagsleben begegnen. Jedesmal wenn irgendwo eine bekannte Melodie ertönte, habe ich mein Handy zur Hand genommen, und Strichliste geführt.
Ich bin stolz, heute an dieser Stelle den Sieger meiner persönlichen Weihnachtslied-Hitparade präsentieren zu können. Es ist ein Lied, das mir hier in der Vorweihnachtszeit besonders ans Herz gewachsen ist. Ein Lied über die heilige Mutter Maria, Stunden der Dunkelheit und ein Licht, das irgendwo scheint.

Ladies and Gentlemen, please let me present to you the winner of  "Mein Weihnachtslied 2010".
The winner is:
Let it be! von den Beatles

Kein anderes Lied habe ich häufiger gehört. Das lag natürlich daran, dass ich immer wieder gerne Zuflucht in den Apple-Stores gesucht habe, die ja nun bekanntlich sehr stolz darauf sind, dass sie nun in iTunes sämtliche Beatles-Lieder anbieten. Somit habe ich das Ergebnis meiner Weihnachtslied-Hitparade selbst verfälscht. Allerdings hat sich Let it be! in den letzten 3 Wochen für mich tatsächlich zu einer Art Weihnachtslied entwickelt. Von nun an verbinde ich die Melodie mit amerikanischen Shopping-Malls in der Weihnachtszeit und ich denke, dass ich auch im nächsten Jahr in der Adventszeit Let it be! in meine "Christmas Playlist" aufnehmen werde.

Speaking words of wisdom... ;-)

Freitag, 24. Dezember 2010

Frohe Weihnachten


Ich wünsche Euch frohe und besinnliche Weihnachten, Gesundtheit und Ruhe. Über die Weihnachtstage bin ich unterwegs und werde dieses große Land erkunden. Vielleicht ergibt sich von unterwegs die Möglichkeit, Euch mit Neuigkeiten zu versorgen.
Nacher, um Mitternacht, folgt noch die Auswertung meiner Weihnachtslied-Hitparade (s. Beitrag "Hosen und Weihnachtslieder"). Na, schon neugierig welches Lied es an die Spitze schaffen wird? Das Rennen ist eng und bis Mitternacht kann noch viel passieren... ;-)


Liebe Grüße,
Sebastian

Umzug


Gestern durfte ich endlich umziehen in mein Loft in der Innenstadt. "Endlich" deswegen, weil ich mich in Hotels irgendwie nicht lange wohlfühle, und 21 Tage sind zu lange. Das Hotel war wirklich in Ordnung, das Zimmer riesig und hatte sogar Kühlschrank und Mikrowelle. Aber trotzdem stellt sich bei mir kein Zuhausegefühl ein, wenn täglich jemand ins Zimmer kommt, durchsaugt und das Bett macht.


Nun fahre ich abends in die Tiefgarage, parke meinen kleinen Nissan Versa zwischen einem Dodge Ram und einem Cadillac Escalade. Für diejenigen unter Euch, die nichts mit den Namen anfangen können hier ein kleiner Exkurs:
Ein Dodge Ram gehört der Fahrzegklasse "Pickup-Truck" an und ist im Prinzip ein geländegängiges Fahrzeug mit großer ebener und freiliegender Ladefläche. Im Vergleich zu anderen Pickup-Trucks markiert der Ram die Obergrenze dieser Klasse und ist optisch nicht weit von einem Monstertruck entfernt. Der Ram, der neben mir parkt besitzt den 506PS-Motor aus der Dodge Viper. Der Chevrolet Escalade ist ein typischer Vertreter der Sports Utility Vehicle, jedoch voluminöser als eine Mercedes M-Klasse oder ein BMW X5 und daher nicht weniger imposant als der Dodge Ram, allerderdings hat der Escalde in meiner Tiefgarage 100PS weniger als der Dodge;-)
Exkurs beendet.
Ich stelle also mein Auto auf die "Grundstücksgrenze" von Ram und Escalade begebe mich in Richtung Aufzug. Dort angekommen, halte ich einen Transponder neben den Rufknopf des Aufzugs und drücke anschließend besagten Knopf.. Im Aufzug selbst halte ich den Transponder ein weiteres Mal in die Nähe eines Empfängers und drücke den Knopf neben der 7, denn dort befindet sich mein Loft (7 ist übrigens Stockwerk 6, weil der Amerikaner im Erdgeschoss mit 1 anfängt zu zählen).



Nun laufe ich nur noch wenige Meter (bzw. Feet) vorbei am Etagen-Müllraum (dazu werde ich bestimmt auch noch einen Artikel verfassen, weil ich jedem deutschen Architekten in Zukunft sagen werde, dass er sich doch bitte ein Beispiel daran nimmt) zu meinem Apartment. Die Tür ist überraschenderweise nicht über den Transponder zu öffnen, sondern ist mit herkömmlicher Schließtechnik gesichert. Allerdings gleich doppelt. (Wer doppelt so große Autos hat wie nötig, der hat halt auch doppelt so viele Schlösser wie üblich - total logisch. Zu den Abmessungen der Autos meinte gerade eben ein amerikanischer Kollege ironischerweise: "Wir haben ja auch Meilen und keine Kilometer. Eine Meile sind ca. 1,6 Kilometer. Wir brauchen also 1,6 mal größere Autos, damit wir zur gleichen Zeit am Ziel ankommen wie Ihr in Europa." Er selbst fährt einen Smart, weil er gerne ein Auto fahren möchte, das sonst niemand hat).
Mein Apartment selbst ist riesig. Geschätzte 80m², 6m breit und 13m lang. Steht man in der Eingangstür kann man am Ende des Tunnels sogar das Tageslicht sehen;-)


Insgesamt ist es sehr modern eingerichtet und gefällt mir super. Als Bauingenieur mag ich Beton als Stilelement und in meinem Apartment ist die lange Wand komplett in Sichtbetonoptik ausgeführt. Das ist zum einen natürlich günstig, weil man sich den Putz einspart, andererseits wirkt es in Kombination mit dem hellen Echtholzparkett extrem "durch-designed" und "stylish". Auch der Klimakanal, der die Wohnung beheizt und im Sommer kühlt "besticht durch seine pure Schlichtheit". Es ist einfach ein Metallrohr mit 50cm Durchmesser, das auf der Nichtflur-Seite 13m entlang der Decke verläuft und diverse Öffnungen zum Wärmeaustausch besitzt. Auf diese Weise kann man zwar Räume nicht individuell beheizen, allerdings besitzt dieses Apartment auch so gut wie keine individuellen Räume: Wohnzimmer und Küche bilden eine gemeinsame Einheit und sind durch eine 2m hohe nicht bis zur Decke reichenden Wand von der Schlafzimmer-Einheit abgetrennt und über den 13m langen Flur miteinander verbunden.




Das Badezimmer ist ein separater Raum und ebenfalls über den Flur zu erreichen. Neben dem Bad, unmittelbar neben der Eingangstür befindet sich ein Lagerraum (ca 8m²), inklusive Waschmaschine, Trockner, Bügelbrett (auch das werde ich mir von deutschen Architekten für Mehrfamilienhäuser wünschen: Wieso haben wir keinen Wasseranschluss im Abstellraum? Warum muss die Waschmaschine im Bad stehen? Wieoso kann sie nicht da stehen, wo man auch die Wäsche aufhängen kann und anschließend Bügeln kann? Okay, für letzteres bräuchte man dann einen zusätzlichen Fernseher für den Abstellraum... )


Von der Lage her befindet sich das Apartment im nördlichen Innenstadtbereich, der früher vor allem von Lagerhäusern und kleineren Gewerbebetrieben geprägt war. In der jüngeren Vergangenheit wurden jedoch viele dieser Gebäude ersetzt durch moderne mindestes 10-geschossige Wohngebäude. Die ehemaligen niedrigen Lagerhäuser wurden, sofern sie nich komplett weichen mussten, teilweise restauriert und beherbergen heutzutage Galerien, Restaurants oder Cafés und überraschend viele Bücherläden.


Die Bevölkerung hebt sich auch ein wenig ab vom "Gewöhnlichen": Man legt wert auf Markenkleidung europäischer Designer, führt rattenähnliche Tiere an der Leine gassi und fährt teure - mit Ausnahme meiner direkten Parkplatznachbarn - bevorzugt europäische Autos (Volvo noch vor Mercedes, BMW und VW/Audi/Porsche. An nahezu jeder zweiten Ecke steht ein MINI geparkt) und geht trinkt gerne Kaffee, denn jeder Block hat seine eigene Kaffee-Bar (nicht nur Starbucks)
Insgesamt ist die Gegend sehr sicher und sauber und hat ihren Charme.



Mittwoch, 22. Dezember 2010

Eine deutsche Tradition



Welcher Deutsche kennt sie nicht, die berühmte Weihnachtsgurke?! ;-)

Natürlich schmücken wir alle unser Bäume mit Gurken. Ich bin neulich von Kollegen auf "unseren Brauch" angesprochen worden und wusste - wen überrascht's - rein gar nichts darüber.
Dann bin ich der Sache auf den Grund gegangen: Tatsächlich werden in Deutschland Gurken als Weihnachtsschmuck hergestellt. Allerdings geht ein Großteil der Produktion in die USA. Die Herkunft der "Tradition" ist bislang ungeklärt. Auf jeden Fall glauben die Amerikaner, sie komme aus Deutschland. Es wird aber von einigen Historikern vermutet, dass diese Tradition in den 80ern erfunden wurde, um ein neues Ritual für Weihnachten zu haben.
Ich bin mal gespannt, wann unsere Weihnachtsgurke tatsächlich eines Tages an unseren Weihnachtsbäumen hängt, weil unser Ritual von Amerika (re-)importiert wurde.

Dienstag, 21. Dezember 2010

It doesn't often snow at Christmas


Immer dann, wenn man denkt "mehr geht nicht", wird man eines Besseren belehrt. Heute bin ich durch die Peacock Lane gefahren. Vom Freightliner-Pförtner habe ich den Tipp bekommen, dort unbedingt vor Weihnachten entlang zu fahren (Habe dabei festgestellt, dass ich schon mal da gewesen bin. Vielleicht kommt Euch ja ein Haus bekannt vor):


Die Peacock Lane ist eine ganz gewöhnliche Wohnstraße in Portland, allerdings gibt es dort seit 1920 eine Nachbarschafts-Übereinkunft, zu Weihnachten die Häuser extrem zu schmücken. Es ist eine Art Straßenfest, bei dem auch Spenden für Obdachlose und Kranke Menschen gesammelt werden.


Wer mehr darüber erfahren möchte, kann dies unter http://www.peacocklane.net/index.html tun. Hier findet man auch Noten, um den Peacock Lane Song zuhause ins Repertoire der Weihnachtslieder aufnehmen zu können.


Montag, 20. Dezember 2010

Columbia River Gorge

Das Panorama (bitte aufs Bild klicken für eine bildschirmfüllende Auflösung) zeigt das Ziel meiner heutigen Erkundungstour: die Columbia River Gorge. Das ist eine östlich von Portland gelegene gigantische Schlucht im Kaskadengebirge, das von Kanada parallel zur Küste durch die US-Staaten Washington und Oregon bis herunter nach Kalifornien reicht. Die Gorge trennt dabei Oregon und Washington voneinander. Druckunterschiede zwischen West- und Ostseite der Gebirgskette verursachen das ganze Jahr über einen starken Luftstrom durch die Schlucht, so dass die Columbia River Gorge als Windsurfing-Paradis bekannt ist. Heute war es allerdings selbst den Surfern zu kalt. Das mit dem "starken Luftstrom" kann ich allerdings als "stark untertrieben" bestätigen: noch niemals zuvor hatte ich solche Probleme, verwacklungsfreie Fotos zu schießen. In Kombination mit den eisigen Temperaturen fiel es mir dann irgendwann auch noch zunehmend schwerer, den Auslöser durchzudrücken.


Die Hänge der Schlucht sind bis zu 500m hoch und zur Zeit teilweise schneebedeckt. Ich weiß, mit Schnee kann ich meine deutschen Leser momentan in keiner Weise beeindrucken;-) Aber dann vielleicht hiermit: die Columbia River Schlucht beherbergt die größte Ansammlung an Wasserfällen im Westen des Nordamerikanischen Kontinents. Allein 77 Wasserfälle befinden sich auf der Seite Oregons, 4 davon habe ich heute besichtigt und bestimmt 20 weitere aus dem Auto gesehen.


Der größte Wasserfall der Gorge ist mit einem Gesamthöhenunterschied von 188m der Multnomah Fall. Streng genommen sind es zwei aufeinanderfolgende Wasserfälle mit 165m und 21m Höhendifferenz, aber das sehen die Amerikaner nicht so eng. Fälschlicherweise wird sogar so oft behauptet, es handle sich hierbei um den zweitgrößten Wasserfall der USA (so wurde es mir auch erzählt), dass diese Lüge im entsprechenden Wikipedia-Artikel Erwähnung findet, denn offenbar gibt es noch 90 andere Wasserfälle in den Vereinigten Statten, die eine größere Gesamthöhe aufweisen. Nichtsdestoweniger war der Anblick des Multnomah Falls beeindruckend (man beachte die Größe der Menschen auf der Brücke).


Liebe Grüße zum 3. Advent in die Heimat! Bald ist Weihnachten :-)


Samstag, 18. Dezember 2010

Kommentare

Von Einigen unter Euch bin ich darauf angeschrieben worden, dass man sich einloggen muss, um hier Kommentare hinterlassen zu können. Ich habe mal die Einstellungen dieses Blogs durchstöbert und glaube, den Grund gefunden zu haben und nun deaktiviert zu haben.
Ich freue mich auf Eure Kommentare!

On the Radio

Von der Musik, die hier im Radio gespielt wird, bin ich sehr angetan.Ich hatte ehrlich gesagt erwartet, dass ich nur wählen kann zwischen Country, Gangster-Rap, und überproduziertem Elektro-Zeugs (vgl. Timberland), natürlich ständig unterbrochen von Werbung.

Habe aber direkt zu Beginn zwei Radiosender gefunden, von denen sich die deutschen ein Stückchen abschneiden können. Der eine spielt ausschließlich Oldies (erinnert insgesamt von der Musikauswahl an SWR1: Simon & Garfunkel, Elvis, Rolling Stones, Beatles, Elton John), der andere spielt neuere Lieder (80er bis heute) von R.E.M., Queen, BeeGees über Dire Straits bis hin zu Madonna, Bon Jovi und Bruce Springsteen. Wenn mir mal ein Lied nicht so zusagt schalte ich um auf den anderen Sender um.
Die Moderatoren sind sehr zurückhaltend, wollen nicht durch überflüssige Witze auffallen und erzählen interessante Geschichten rund um die einzelnen Stücke oder Künstler. Ich weiß schon jetzt, dass ich das vermissen werde, wenn ich wieder in Deutschland bin. Hoffentlich daueret es nicht mehr so lange bis es mit dem Internetradio im Auto funktioniert. Liebe Mobilfunkbetreiber, bitte beieilt Euch mit dem flächendeckenden Ausbau des mobilen Highspeed-Netzes!

Freitag, 17. Dezember 2010

Walking in a Winter Wonderland

Ich denke, das ist nicht zu toppen:


Donnerstag, 16. Dezember 2010

Weihnachtsfeier des Bereichs "Cap Engineering"

Nachdem vor 1,5 Wochen schon eine kleine abteilungsinterne Weihnachtsfeier stattgefunden hat, gab es heute das große Christmas-Meeting (für Daimler-Leser: E2-Bereich). Ich durfte ja auch schon in Deutschland über vier Jahre verteilt an solchen Feierlichkeiten teilnehmen und daher bot sich heute für mich die spannende Möglichkeit eines Vergleichs.

In Deutschland schaut es so aus, dass der E2-Leiter eine ca. 30-minütige Rede hält über das, was im vergangenen Jahr alles geschehen ist, welche Herausforderungen gemeistert wurden und welche im kommenden Jahr auf den Bereich zukommen werden. Die Mitarbeiter stehen gemeinsam um den Vortragenden herum, lauschen interessiert und freuen sich auf das anschließende gemeinsame Mittagessen.
Grundsätzlich unterscheidet sich die amerikanische Variante dieser Veranstaltung nicht vom deutschen Pendant. Auch hier trägt die E2-Leiterin ca. 30 Minuten vor. Essen gibt es allerdings schon vorher bzw. währenddessen, und weil die Veranstaltung schon für 8:30 terminiert ist, ist es ein gemeinsames Frühstück.
Mitarbeiter bringen selbstgebackene Weihnachtsspezialitäten und nehmen damit an einem Wettbewerb um die ausgefallenste Leckerei teil. Die Abteilungsleiter fungieren als Pancakes-Köche, haben Rentier-Haarreife oder Weihnachtsmann-Mützen auf dem Kopf und tragen tannenbaumgrüne Krawatten mit Blinke-LEDs. Das Ganze hat einen nicht zu unterschätzenden Nebeneffekt: dadurch, dass sich die Abteilungsleiter bei dieser Veranstaltung selbst nicht so Ernst nehmen, hilft dieser Auftriff ungemein, Distanz zwischen den Mitarbeitern abzubauen. Dazu trägt auch bei, dass nach dem E2-Vortrag jeder Abteilungsleiter einzeln die Erfolge seiner Abteilung in spaßiger Weise vostellt. Einer hat es in eine Weihnachtsgeschichte verpackt, ein anderer eine Bildergeschichte kreiert, untermalt von einer Weichnachtsversion des Village People Hits "YMCA". Wiederum ein anderer hat die Wikileaks-Veröffentlichungen parodiert und "streng geheime" Freightliner-Interna ausgeplaudert.
Alles höchst amüsant und durchaus geeignet für deutsche Weihnachtsfeiern.
Ob man allerdings auch Blinke-LED-Abteilungsleiter mit Rentier-Geweih in Deutschland einführen sollte, da bin ich mir nicht so sicher... ich mag meinen Abteilungsleiter so wie er ist.

Morgen steht dann noch die teaminterne Weihnachtsfeier an. Ihr seht, man kommt aus dem Feiern gar nicht mehr heraus. Trotzdem wird in der Zwischenzeit tatsächlich effektiv und diszipliniert weitergearbeitet.