Unsere letzte Etappe sollte uns von Carson City in Nevada durch Nord-Kalifornien zurück in die "Heimat" nach Portland in Oregon führen. Geplante Kilometer: 1130 km
Doch zuerst einmal war Squaw Valley Etappenziel des Vormittags. Hier wurden 1960 die Olympischen Winterspiele ausgetragen. Unser Plan war, mit dem Sessellift auf einen der Berggipfel zu fahren, um von dort aus die Aussicht zu genießen. Diesen Plan haben wir sehr bald verworfen, denn zwischen all den Wintersportlern sind wir doch arg herausgestochen und in unseren Halbschuhen und Jeans sehr belächelt worden. Diesem Spott wollten wir uns nicht auch noch auf dem Berggipfel im Tiefschnee ausgesetzt fühlen. Außerdem war die Auffahrt mit 22 Dollar pro Person auch nicht unbedingt ein Schnäppchen, um für ein paar Minuten (mehr blieben uns ja bei der Strecke, die noch vor uns lang, nicht) den Ausblick zu genießen.
Wir tranken also einen Kaffee und machten uns dann auf den Weg durch die wunderschöne Winterlandschaft. Wir fuhren durch schneebedeckte Weidelandschaften und durch lichte Wälder mit vereisten Straßen auf Sommerreifen ;-) Glücklicherweise war der Weg eben und es ging nur geradeaus.
Irgendwann erreichten wir eine Unfallstelle, wo ein kleiner Lieferwagen (wie der vom A-Team) auf dem Dach lag. Der Fahrer und die Polizei standen daneben und ich frage mich bis heute, wie er das auf ebener gerader Strecke hinbekommen hat. (einziger nachvollziehbarer Grund: er musste irgendwas ausgewichen sein, und an der ca. 1m höhen Schneemauer am Straßenrand zum Kippen gekommen sein... aber dann liegt er auch erstmal nur auf der Seite und nicht auf dem Dach).
Trotz dieses kleinen Schreckens war die Fahrt wirklich angenehm und entspannend. Und bedenkt man, dass wir einen Tag zuvor noch durchs Death Valley gefahren waren und 2 Tage vorher durch die wüstenähnliche Landschaft Arizonas, eine Woche zuvor im frühlingshaften Los Angeles waren und in San Francisco einen Herbststurm miterleben mussten, so erlebten wir heute die dritte Jahreszeit auf unserer Reise. Einzig echtes Sommerwetter über 20 Grad hatten wir auf unserem Roadtrip nicht erleben dürfen.
Gegen Nachmittag wurden wir noch mal Zeuge eines Naturschauspiels. Unsere Route führte uns herab aus der Hochebene in den Talkessel, in dem der Highway 5 in Richtung Portland verlief. Wir hatten weiterhin sonniges Wetter mit blauem Himmel. Aber der Talkessel war eingehüllt in Nebel. Von oben sah es aus, als würden wir auf eine Wolke blicken. Je näher wir kamen, destso diffuser wurde das Licht. Wenige Minuten später - mitterweile befanden wir und auf dem Highway im Tal - befanden wir uns in dichtem Nebel. Schichtweite war um die 50m. Vom Himmel keine Spur mehr. Dadurch, dass wir von Bergen umschlossen waren, ging natürlich auch die Sonne früher unter, so dass nicht nur der Nebel die Sicht beeinflusste sondern auch die zunehmende Dunkelkeit. Irgendwann an der Staatsgrenze begrüßte uns Oregon dann mit Regen.
Spannend wurden die letzten paarhundert Kilometer dann dadurch, dass das Navi uns vom Highway herunterführte, obwohl wir angenommen hatten, bis Portland auf der Interstate 5 durchzufahren. Unser Gefühl sagte uns, dass das unlogisch ist. Der Technikgläubige unter uns beiden vermutete aber, dass das Navi wahrscheinlich über die Landstraße eine Abkürzung gefunden hat und der Highway bestimmt einen großen Bogen macht. Also hielten wir an, es war eh Zeit fürs Abendessen, und ich guckte auf der Karte nach beiden Routen. Der Highway machte tatsächlich einen 100km großen Bogen und die vorgeschlagene Route war die direkte Verbindung und 15min schneller. Also ging es weiter über die Landstraße. Sie war gut ausgebaut und gut beleuchtet... für weitere 10 min. Ab dann wurde es dunkel. So richtig dunkel. Stockfinster! Die Straße entsprach nun auch eher unseren schmaleren Landstraßen. Und es ging bergauf. Nicht stark aber doch kontinuierlich, so dass wir bald auch wieder Schnee am Straßenrand sahen. Ich hoffte a) dass es nicht noch weiter hoch ging und b) dass die Straße nicht eisig wurde. Gleichzeitig begann ich mich zu fragen, wieso der Highway wohl einen soooo großen Bogen gemachte hat und stellte mir auf einmal einen sehr großen Berg vor... warum nur bin ich da nicht früher drauf gekommen?!
Mittlerweile waren wir 30 min unterwegs auf der Abkürzung. Meine Hoffungen erfüllten sich nicht. Als die Straßen anfingen gefährlich zu funkeln und es immer noch bergauf ging, wurde es mir zu heiß.. nee: zu kalt. Gemeinsam entschlossen wir uns, auf den Zeitvorteil zu verzichten und umzukehren. So wurden aus 15 min Zeitvorteil zwar 1,5h Zeitverlust, aber was macht das schon aus umgerechnet auf hoffentlich 50 weitere Lebensjahre.
Die restliche Fahrt zog sich dann schier endlos durch Regen und Dunkelheit. Zum Glück waren wir zu zweit und konnten uns abwechseln und uns gegenseitig wach halten. Um 1 Uhr in der Nacht erreichten wir total erschöpft Portland. Alles in allem sind wir an dem Tag dann dank des Umwegs über 1200km gefahren. Eindeutig zu viel!
So ging dann eine wunderbare und unvergessliche Reise zu Ende, die auf Grund der großartigen Begleitung doppelt so schön war: 1002 Danke :-)
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